2017. Nach einer langen Geschäftsreise fährt Martin Stobbe, übermüdet, in einem Taxi durch das nächtliche und verregnete Hamburg. Er betrachtet die im Licht des Autoverkehrs blitzenden Wassertropfen am Fenster ohne den Erzählungen des redseligen Fahrers genau zuzuhören. Plötzlich und unerwartet, wie im Falle mancher bedeutsamer Ereignisse, riss dieser seinen Fahrgast mit einer kuriosen Frage aus seinem Halbschlaf: „Sind sie Berufskiller?“.

Bei Stobbes Vorliebe für Cartoons und Comics, besonders für die Kunst von Jean-Marc Reiser, führte diese gelassen norddeutsch ausgesprochene Frage zu einer Art Initialzündung im ruhenden Gehirnplasma, aus der dann eine Cartoonfigur geboren wurde, die Stobbe den „Berufskiller“ nennen sollte. Er schuf Texte, Situationen, eine ganze Killerfamilie mit Haustieren und einem wiederkehrenden Antagonisten. Der Killer wurde eine eher biedere Existenz, verstrickt in die Alltagszwänge seines Berufs und seines Lebens, wie viele andere Menschen auch. Man trifft ihn beim Apotheker, im Baumarkt, beim Psychologen, sogar beim Arbeitsamt usw.. und irgendwie kommt er nie richtig aus der Rolle, die ihm sein Beruf aufnötigt, heraus.

Gleichzeitig mit dieser Figur entstand die Idee für die Vermarktung der Cartoonreihe einen Verlag zu gründen, den Paternoster-Verlag.
Die Namensgebung leitet sich vom gleichnamigen Fahrstuhlsystem ab, einem Vorläufer der Rolltreppe, das aufgrund moderner Sicherheitsbestimmungen kaum noch anzutreffen ist. In Hamburg existieren etwa nur noch zehn Exemplare. Tendenz fallend. Zum einen ergab sich die Wortfindung wegen des ewigen Kreisens zwischen aufwärts und abwärts, mit der Möglichkeit jederzeit ein- oder aussteigen zu können, ein optimistisches Bild für das weltliche Streben. Zum anderen, direkt auf das Berufsbild des Killers bezogen, wegen der klanglichen Nähe zu mafiösen Gesellschaften. Südlich der Mainlinie drängt sich womöglich eher das „Vater Unser“ als Assoziation auf, durchaus noch konsistent, bezogen auf die Ausgangsidee, denn manchem Neuling nötigte sich ein Stoßgebet vor dem Betreten dieses eigentümlichen Fahrstuhlsystems auf.

Es folgte die lange Suche nach einem geeigneten Zeichner. 2019 konnte Martin Stobbe die mehrfach preisgekrönte Zeichnerin Petra Kaster zur Visualisierung der Figuren gewinnen, deren groteske Lebenssituationen im Februar 2020, im Rahmen einer Ausstellung mit Arbeiten von Petra Kaster, veröffentlicht werden.



Schon in der Frühphase der Konzeptentwicklung hatte Martin Stobbe die Idee, in das Verlagsgeschehen die Präsentation von Kunst einzubeziehen. 2018 gab es die ersten Kontakte mit Künstlern. In diese Zeit fiel die Begegnung mit dem Maler JC. Mondot, den Martin Stobbe als Verantwortlichen für ein zukünftiges Galerieprogramm und für die Auswahl der Künstler gewinnen konnte.

Am 30.10.2019 wurde die Galerie mit der Ausstellung „Le cadavre exquis II“ eröffnet.
Das Verlagsprogramm wird im 2. Trimester 2020 veröffentlicht.