INSCHRIFTEN:

Deckelplatte:
Die weilandt / wohlgebohrne / Frau Frau / Augnaesa Bea / ta Gehrtrudt, / Gebohren von / Dincklage Frau / Obristin von / Stockhausen, ist / gebohren A° 1661 / den 5. Jan: ge / tauft d. 13 ejus A° / 1680, den 24. / August in die / Ehe getretten / gezeuget 2 söh / ne und 1 tochter / gestorben d 9. / mart A° 1689 / alt geworden / 18 Jahr 3. Mon / nat, 4. tage / begraben A° / 1689. 6. / April / Leich Tex. / 1. Timot: 2. Cap: / V. 15 / Sie wird aber / seelig werden / durch kinder / zeugen, so sie / bleibet im glau / ben, und in / der Liebe und / in der Heili / gung sambt / der Zucht.

Deckelseite links:
Hiob. am 19. cap: / Ich weis das mein Erlöser lebet, der wirdt mich hernach auß der / Erden wieder aufferwecken, und werde mit dieser meiner Haudt / umgeben werden, und werde in meinem Fleisch Gott / sehen, denselben werde Ich mir sehen, und / kein Fremder

Deckelseite rechts:
2. TimoT: am 4. cap: Ich habe einen guten Kampft gekämpftet, Ich hab den Lauff vollen / det, Ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beygelegt die Krone / der gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem tage / der gerechte Richter geben wirdt.

Kopfteil:
Herman v. dincklage sohn zur / schulengurgk, gewesener Erb / herr zu Stockum

Fußteil:
Anna Sophia gebohrne v. dingcklage, gewesene / Erbdochter, des Haus Lopfen Frau / von Dincklage zu Stockum.


BEMALUNG an Kopf- und Fußteil:

Wappen von Dincklage; an der Deckelplatte: Totenkopf vor gekreuztem Gebein; an den Kanten: Metallbeschläge (illusionistisch); am Korpus: Löwenköpfe; über die gesamten Schauflächen: Sterne.


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Von den erhaltenen Särgen der Familie von Stockhausen weist der Übersarg der Agnesa Beata die prächtigsten Verzierungen auf. Den schwarzen Untergrund überziehen Wappen, Inschriften, Symbole und Dekormotive in kräftigen, durch Silber und Gold akzentuierten Tönen. Leider sind die reich verwendeten Lüsterfarben, etwa bei den illusionistisch aufgemalten Metallbeschlägen, nur noch in Resten vorhanden, so daß sich der ursprüngliche Eindruck lediglich erahnen läßt.

Abweichend von den späteren Stockhausen-Särgen prangt an Kopf- und Fußteil ausschließlich das Wappen derer von Dincklage, ergänzt um Hinweise auf Person und Stand des Elternpaares der Verstorbenen. Auf der Deckelplatte befinden sich, wie dies bei den Särgen ab 1754 wiederkehrt, die Angaben zur Verstorbenen selbst, hier ergänzt um die Textgrundlage für die Leichenpredigt sowie einen ehemals silbrig glänzenden Totenschädel vor gekreuztem Gebein. Dieser Kopf leitet sich sicherlich von einem weit verbreiteten Bildmotiv auf Sargdeckeln her, nämlich der Darstellung des Gekreuzigten auf der Schädelstätte. Unter Verzicht auf das Kruzifix wird hier der vanitäre Aspekt betont; zugleich ist die Auferstehungshoffnung vom Bildsymbol des Kreuzes auf den Aussagegehalt des Wortes verlagert.

Mit den sechs aufgemahlten Löwenköpfen unter den Eisengriffen wird ein geläufiges Motiv aufgegriffen. Ungewöhnlich ist dagegen das Sternendekor, das in dunklem Grau die gesamten Schauflächen des Sargs überzieht. Zum einen spielt es auf den Himmel als erdachte Heimstatt der Verstorbenen an. Zum anderen mag es auch im Zusammenhang mit der damals üblichen nächtlichen Bestattungszeit gewählt worden sein. So weist etwa in zeitgleichen englischen "funeral tickets" das Sternenmotiv auf die Nachtstunde des Leichenzugs hin.

Der repräsentative Übersarg stand wohl ursprünglich im Chorraum der Kirche und gelangte mit dem Ankauf des Erbbegräbnisses 1696 in die Sakristei.