Der Nürnberger Stecher Sandrart hat dieses Memorialblatt für den 1669 verstorbenen Wilhelm von Sachsen-Altenburg (ältere weimarische Linie) geschaffen. Es verbindet in ungewöhnlicher Weise ein individuelles Porträt des Verstorbenen im oberen Teil mit der realistischen Darstellung des Toten im offenen Sarg im unteren Abschnitt, neben dem noch der prunkvolle Übersarg wiedergegeben ist. Dem Stich kam die Funktion als Gedächtnisbild zu. Daneben diente er auch mittels der inszenierten Zurschaustellung des toten Fürsten dem politischen Prestige.

Die Wiedergabe von Innen- und Übersarg im Zusammenhang mit der zweimaligen Darstellung des toten Herrschers bildet eine Besonderheit. Analog zu mittelalterlichen Doppelgrabkompositionen ist unten der aufgebahrte Tote, oben der Lebende in allegorischer Überhöhung dargestellt. Das Porträt, ein ovales Brustbild, wird von allegorischen Figuren flankiert, rechts von Athena (Minerva), behelmt und gepanzert, als Symbol der Wahrhaftigkeit, links von Hermes (Merkur), dem Seelenbegleiter, der seit der Renaissance auch mit den Künsten verbunden wird. Diese Form des ovalen Medaillonbildnisses entwickelte sich seit etwa 1600 zur bevorzugten Darstellungsweise bei Memorial- und Huldigungsbildern.

Zwischen dem Fürstenporträt und den Sarg-Darstellungen benennt eine Inschriftenkartusche mit ornamentaler Rahmung die Lebensdaten und die Titel des Verstorbenen. Letztere finden sich auch auf der Deckelplatte des metallenen Übersarges, die zudem, wie öfters bei Särgen des 17. Jahrhunderts, mit einem Kruzifix versehen ist. Die Deckelseiten weisen wie die Mittelteile der Korpusseiten Bibelsprüche auf (Hiob 29; 2. Timoth. 4). Umlaufend ist der Sarg mit Löwenköpfen ausgestattet, deren Mäuler Griffringe halten, ein verbreitetes Gestaltungselement bei Metallsärgen des 17. Jahrhunderts. Die Sargecken sind mit Engelsfiguren dekoriert.