Kranzkasten für ein Kleinkind

Zum Andenken

1875

Trockenblumen (Immortellen), cremefarbene Seidenschleife, goldene Fransenborte, blauer Karton
49,5 x 42 x 6,5 cm
Museum für Sepulkralkultur, Kassel,
Inv. Nr. M 1981/20

 

Gedenkbild für das Kind Elisabetha Zachenbacher mit Haarsträußchen

1881

Hellblonde Haare, Glasperlen, Oblaten, Holz, Gouache,in verglastem Holzkasten,
braun lackierter Holzrahmen mit Goldinnenkante
25,2 x 20,4 x 5,4 cm
Museum für Sepulkralkultur, Kassel,
Inv. Nr. M 1992/44

 

Gedenkbild für zwei Kinder der Familie Korn mit Haar- und Fruchtstrauß

1888

Blonde Haare, Faden, Seidenschleife, Papier- und Klöppelspitze, Goldschnur, Stoff- und Papierblumen, gewachste Blätter,
(Glas-?)Früchte, Tusche, in verglastem Holzkasten mit vergoldetem profiliertem Holzrahmen
59 x 39,7 x 6,8 cm
Museum für Sepulkralkultur, Kassel,
Inv. Nr. M 1992/39

 

Begleittext

 

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Die Bewältigung von Sterben und Tod findet in der Erinnerung ihren Abschluß. Sie mag sogar versuchen, diesem radikalen Ereignis einen Sinn zu geben. So gesehen ist auch das Grabmal ein Denkmal. Doch gab und gibt es darüber hinaus ein im Zeitalter der Fotografie kaum mehr bekanntes Spektrum von Erinnerungszeichen.

Während heute das Foto als das authentische Abbild eines Menschen angesehen wird, galt im vorfotografischen Zeitalter das Haar als Inbegriff der Identität. Alte Geschichten wie die von Samson etwa erzählen, daß der Mensch mit seinem Haar seine Persönlichkeit und seine Kraft verlieren konnte. So flocht man früher aus den Haaren der Verstorbenen kunstvolle Gebilde, umgab sie mit einem schmucken Rahmen und bewahrte so die Erinnerung an den Toten. Zimmerdenkmale nennt man diese Form des Gedenkens, die im privaten Ambiente fast den Charakter eines Hausaltars annehmen konnte.

Immer ist diese Erinnerung auch mit Deutung verbunden. Kein Leben soll vergebens gewesen sein. So spielten Krone und Kranz im Totengedenken eine wichtige Rolle als Symbole. Blumen, Papier und Draht wurden in Kranz oder Herzform gebunden und, in Kästen verglast, im Kirchenraum oder auch zu Hause als sichtbare Erinnerung aufbewahrt. Solche Kranzkästen, einst Legion, werden heute in meist erbärmlichem Zustand auf Trödelmärkten verramscht, häufig lediglich um ihrer Rahmen willen gekauft. Die umfangreiche Sammlung von Kranzkästen und Totenerinnerungen im Museum für Sepulkralkultur ist in Deutschland einmalig.


 

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